schriftzug

Feuchtigkeit

Luftfeuchtigkeit:

Die Luftfeuchtigkeit gibt Auskunft über den Wassergehalt (in Gramm pro Kubikmeter) der freien Atmosphäre. Zusammen mit der Windstärke und der Temperatur ist die Luftfeuchtigkeit einer der wichtigsten Werte, der Auskunft über unser witterungsabhängiges Wohlbefinden gibt. Da der absolute Wassergehalt der Luft stark von Temperatur und Druck abhängt, erfolgt die für den Menschen wichtige Messung in Prozent relativ zur
Nebel im Solling nahe Fredelsloh
Andreas Vohl / WSG
Sättigung (= 100 %). Dennoch gibt es keinen pauschalen Idealwert: Ist die Luft trocken, entzieht sie dem Körper über die Atmung viel Flüssigkeit und greift unsere (Schleim-) Haut an; sowohl sehr warme als auch sehr kalte Luft wird trocken als angenehmer empfunden. Feuchte Luft ist atemwegsfreundlicher. Ist sie gleichzeitig kühler, leitet sie besonders gut die Wärme von unserem Körper ab und wird als unangenehm (nasskalt) empfunden, ist sie hingegen sehr warm, behindert sie die Verdunstung des Schweißes und stört somit unsere natürliche Temperaturregulierung (Schwüle).

Verdunstung:

Was damit gemeint ist, wird jedem im Groben klar sein. Wenn man sich jedoch mit den Komponenten der Verdunstung auseinandersetzt, wird schnell klar, wie schwer ein realistischer Wert als meteorologische Größe fassbar ist.
Um die Feuchtigkeitsabgabe der natürlichen, landwirtschaftlichen und bebauten Flächen möglichst exakt zu simulieren, gibt es die Bezeichnung Evapotranspiration (kurz: ET = Evaporation des Bodens + Transpiration der Pflanzen). Sie wird aus verschiedenen Primärdaten berechnet, da ja niemand wirklich die Wassermenge messen kann, die im Laufe eines Tages über Deutschland zurück in die Atmosphäre gelangt (deshalb besser: potentielle Verdunstung).
Für die Berechnungen der Göttinger Verdunstungsraten verwendet die WSG eine Formel mit den Parametern Globalstrahlung, Windrun (Windgeschwindigkeit mal Zeit), Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Faktoren wie Topographie, Bodentemperatur, -feuchtigkeit oder -beschaffenheit gehen in diese Berechnung nicht ein. Dafür hat der Wert bei bereits ausgetrocknetem Boden mehr Aussagekraft, besonders um bodenunabhängig luftklimatische Tagesereignisse miteinander vergleichen zu können. Die Verdunstung regelt den Wasserhaushalt des Bodens und indirekt dessen Temperatur. Trockener Boden gibt weniger Wasser ab und hat größere Temperaturschwankungen.

Taupunkt:

Tautropfen auf einem Blatt
Patzita / photocase.de
Der Taupunkt ist ein Sekundärmesswert. Er wird aus den beiden Primärwerten Temperatur und relative Luftfeuchtigkeit gebildet und gibt Aufschluss über die absolute Luftfeuchtigkeit. Während letztere jedoch in Gramm pro Kubikmeter angegeben wird, steht hinter dem Taupunkt die Einheit °C.
Der Wert des Taupunkts entspricht der Temperatur, an der die Luftfeuchtigkeit den Sättigungspunkt von 100 % erreicht. Je höher der Taupunkt, desto mehr Wasserdampf absolut enthält die Luft und umgekehrt. Wird der Sättigungspunkt erreicht, entsteht Nebel. Die Kondensation setzt die Energie frei, die zur Verdunstung des Wassers benötigt wurde. Außerdem verhindert Nebel eine weitere Ausstrahlung der Luft. Deshalb entspricht der Taupunkt der niedrigsten Temperatur, die in einer klaren Nacht erreicht werden kann, solange es keinen Luftmassenwechseln gibt.
Hier liegt ein weiterer Nutzen bei der Beobachtung des Taupunkts: Während der Verlauf der relativen Luftfeuchtigkeit meist nur dem umgekehrten Abbild des Temperatur-Tagesgangs entspricht, zeigt eine Änderung des Taupunktgraphs einen signifikanten Luftmassenwechsel unabhängig von der Temperatur an.
Anhand des Taupunkts kann man auch die ungefähre Untergrenze von konvektiven Wolken (Cumulus und Unterarten) errechnen. Die Formel lautet: Höhe der Wolkenbasis über dem Boden in Metern = Taupunktdifferenz (Spread) x 125. Beispiel: An einem Sommertag mit "Schönwetterwolken" liegt der Taupunkt bei 15°C, die Temperatur bei 25°C: (25-15) x 125 = 1.250 Meter. Die Untergrenze der Cumuli liegt also 1.250 Meter über dem Grund. Dies gilt jedoch nur bei einer konstanten horizontalen Temperatur- und Feuchtigkeitsschichtung.