29. SeptemberZwischen einem kräftigen Tief über Island und einer Hochdruckbrücke über weiten Teilen Kontinentaleuropas hat ich eine südwestliche Strömung eingestellt, mit der sehr warme Luft von Spanien über Frankreich nach Deutschland gelenkt wird. Diese Konstellation kennen wir bereits von den zahlreichen Hitzewellen seit Ende Juni. So glüht der Sommer noch einmal richtig nach, bevor ab Donnerstag etwas kühlere Luft zu uns geführt wird. Am Übergang deutet sich am Donnerstagabend und in der Nacht zum Freitag Regen an, die zu erwartenden Mengen berechnen die Modelle zur Zeit noch sehr unenheitlich.Anschließend baut sich erneut eine Hochdruckbrücke über weiten Teilen Europas auf. Der nördliche Rand ist aber weniger meridional, sondern zonal ausgerichtet, so dass die Temperaturen auf einem der Jahreszeit entsprechendem Niveau bleiben. 22. SeptemberMorgen ist Herbst-Äquinoktium. Hinter dem lateinischen Begriff verbirgt sich die Tag- und Nachtgleiche: An jedem Ort der Welt beträgt die astronomische Sonnenscheindauer 12 Stunden (gefolgt von 12 Stunden Nacht); direkt an den Polen bewegt sich die Sonne auf gerader Linie 24 Stunden lang zur Hälfte über und zur anderen Hälfte unter dem Horizont. Meteorologisch ist dies kein wirkliches Ereignis. Neben der offensichtlich kürzeren Sonnenscheindauer und dem niedrigeren Sonnenstand wächst jetzt allerdings der Bereich der Polarnacht auf der Nordhalbkugel. Damit wird die Fläche dauerhaft negativer Energiebilanz immer größer, also der Bereich, in dem durch Ausstrahlung ganztätig Energie verloren geht. Da südlich des 40. Breitengrades die Meeresoberfläche gerade erst den wärmsten Punkt überschritten hat und auch die jahrezeitliche Abkühlung eher gering ist, verschärft sich der Temperaturgradient über dem 50. und 60. Breitengrad stark: Der Beginn der Sturmsaison über dem nördlichen Atlantik.Bis dahin können wir die Singularität des Altweibersommers genießen: Ende September bis in den Oktober hinein ist die Wahrscheinlichkeit für stabile Hochdruckgebiete über Mitteleuropa am größten im gesamten Jahresverlauf. Das ist auch dieses Jahr der Fall, so dass die kommenden Tage ruhig bleiben mit einem Sonne-Wolken-Mix. Da sich östlich von uns ein Höhentief befindet, bleibt die Strömung bis Freitag eine nördliche. Erst ab dem Wochenende gelangen wir auf der Vorderseite eines Sturmtiefs über Island in eine milde südöstliche Höhenströmung. Am Boden könnten sich erste Kaltluftseen mit Hochnebel entwickeln, die sich aber vermutlich tagsüber auflösen werden. Dann steht einem milden und sonnigen Spätsommer nichts mehr im Weg.
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